Um die jetzige Politikverdrossenheit und die Auslegung der demokratischen Grundsätze der Politiker zu verstehen, bedarf es zunächst eines Rückblickes.
Im Jahr 1989 ging von unserer Stadt der Aufbruch zur Freiheit aller Deutschen aus. Das Einsperren, das „bestimmt werden“, das „Bevormunden“ und das Einengen auf die „Winzigkeit“ der DDR sollte ein Ende haben. Wir Bürger Ostdeutschlands hatten es satt, in jeglicher Hinsicht eingeengt zu werden. Der Wunsch nach Freiheit brachte uns auf die Straße und wir haben eine bemerkenswerte friedliche Revolution gemacht.
Wir Deutschen im ganzen Land haben uns wieder von den Oberen „blenden“ lassen.
Wer sind die Oberen?
Es sind jene Emporkömmlinge, welche in der Vergangenheit keine Stimme hatten und sich nicht aus der Deckung ihrer wohlgeformten Umgebung herauswagten. Es ist kein ehemaliger Menschenrechtler aus alten Zeiten oder ein Widerstandskämpfer mehr zu sehen. Im Höchstfall tauchen diese noch in Historischen Fernsehsendungen auf.
Das Volk beschäftigt viel! Was ist aber das Volk und wer ist es?
Nach allgemein üblicher Definition ist das Volk die Gesamtheit aller in unserem Land lebender Menschen. Welche Fragen haben nun das Volk und wie wird reagiert seitens derer, die das Volk regieren und im Sinne der Gemeinschaft „Einen“ sollen? (Verfassungsauftrag)
Das Jahr 1989 steht für den Aufbruch zu Freiheit der Menschen im Osten, die 40 Jahre in einem Zwangssystem eingesperrt waren. Das Bewusstsein für den demokratischen Staat, der Selbst und Mitbestimmung in Freiheit, ist auf die Straße getragen worden. Der Mut der Leipziger sollte das Signal dafür sein, für alle Teile der ehemaligen DDR in eine neue und gerechtere Zeit zu gehen. Schluss mit der Entmündigung der Bürger, Schluss mit unmenschlicher Verfolgung für freies Denken der Bürger, Schluss mit ideologischen Feindbildern und Schluss mit der Teilung eines Volkes.
In der ersten freien und demokratischen Wahl einer Ratsversammlung 1990, zeugen 70% Wahlbeteiligung von dem Geist der Gesellschaft, diese Herausforderung anzunehmen.
In Freude auf neue Möglichkeiten des sozialen miteinander, gaben die Bürger der Kommunalpolitik die Legitimation zu handeln. Das Streben sollte sein, die Stadt und Ihre Menschen nach vorn zu bringen, um den Stolz des Erreichten ein Bild zu geben. Verbesserung der Lebensbedingungen, gutes Geld für gute Arbeit, hohe Wohnqualität, bessere Lernbedingungen für unsere Kinder, Entwicklungsmöglichkeiten der Jugend als Verantwortungsträger von Morgen, der Schutz vor Armut unserer Senioren, die einst unser Land aufgebaut und nun den Lohn für Ihre Entbehrungen nach zwei Diktaturen für einen schönen Lebensabend verdient haben.
Aber was ist Heute davon geblieben?
Das Jahr 2009 steht für den Niedergang des demokratischen Bewusstseins der einst friedlich kämpfenden Leipziger für die Freiheit. Die Mitbestimmung gibt es nicht mehr, die Mündigkeit des Bürgers ist in den gläsernen Menschen umgewandelt worden, neue ideologische Feindbilder sind geschaffen worden und die Bundesrepublik Deutschland ist noch immer in Ost und West geteilt.
Wenn 60% der Bürger Heute nicht mehr ihr erkämpftes Recht auf eine Wahl wahrnehmen, entziehen Sie, der Kommunalpolitik die Legitimation. Dem Bewusstsein für den demokratischen Staat ist mit 60% Nichtwählern und dem Einzug des braunen Gesindels eine klare Absage erteilt worden. Die Bürger flüchten in Phrasen von menschenverachtender Radikaler, weil der Glaube an die demokratischen Parteien erloschen ist und die Hoffnungslosen keine andere Wahl mehr sehen.
Das soziale Miteinander ist in arm und reich aufgelöst worden. Gutes Geld für gute Arbeit gibt es nicht mehr, es bedeutet Arbeitslosigkeit, Lohndumping und sozialer Abgrund Harz IV! Hohe Wohnqualität ist nur den wenigen vorbehalten. Die Lernbedingungen nach 20 Jahren sind erschreckend, wenn nicht einmal das Sonnenlicht durch die Klassenfenster vieler Schulen dringen kann und WC`s unbenutzbar sind. Von einem Bildungssystem, welches abhängig ist vom Geldbeutel der Eltern ganz abgesehen. Die Jugend als Verantwortungsträger von morgen ist teilnahmslos in Perspektivlosigkeit gefangen. Unsere Senioren stürzen in Armut und der menschliche Lebensabend endet in notdürftiger Pflege im Altersheim oder in verarmter Einsamkeit.
Die Politik strebt weiter nach persönlichem Fortkommen, Schaffung persönlicher Denkmäler, Gier nach Ämtern und Posten und entfremdet sich immer weiter von der Gesellschaft und öffnet radikalen Kräften damit Tür und Tor. Das wirft bei uns Fragen auf….
- Was ist los in unserem Staat?
- Es gibt so viele Dinge die der einfache Bürger unseres schönen Landes nicht versteht, dass man sich schon fragt, ob dies so gewollt ist?
Hinter viele Fragen und aufgeworfenen Problemen steigt der einfache Bürger nicht mehr durch, denn unsere lieben, von wenigen Bürgern die Ihr Wahlrecht noch wahrnehmen gewählten Politiker können uns viele ihrer Entscheidungen nicht einmal selbst erklären, und wenn doch , dann kommen unverständliche Redewendungen heraus, gespickt mit Phrasen von Fremdwörtern, die kein Mensch mehr versteht. Man ist eigentlich gezwungen, ständig mit einem Fremdwörterbuch herumzulaufen. Obwohl dies auch nicht viel nutzen würde, denn die erfinden einfach neue die kein Mensch deuten kann. Zu diesem Umstand kommt die Arroganz der Politiker noch hinzu. Man trifft Sie auf der Straße und grüßt Sie und wird nicht zurückgegrüßt, man fragt Sie persönlich entscheidende Lebensfragen und erhält keine Antwort! Wenn man Sorgen und Ängste Ihnen nahe bringt, werden wir „abgebügelt“ mit: es könnte schlimmer sein oder wir werden einfach nur belächelt.
Was ist das für ein Umgang mit dem Volk?
Es gibt viele Fragen die uns berühren, wie z.B.:
- Warum werden Bankmanager für ihr Fehlverhalten nicht zur Rechenschaft gezogen und warum müssen wir Bürger dieses Versagen wieder ausbaden und eben diese Manager sich mit unglaublichen Abfindungen auf Inseln sonnen von denen der „normale“ Bürger weder je etwas gehört hat, noch sie je sehen wird?
- Warum, und das ist unser eigentliches Anliegen, treffen Menschen Entscheidungen über Menschen von denen sie erstens nichts verstehen und zweitens über Tatsachen von denen Sie keine Ahnung haben, weder über deren Auswirkung noch über den Sinn?
- Wo sind die 850 Millionen Euro Schulden der Stadt her?
- Warum werden immer mehr Schulen geschlossen statt saniert wenn wir uns eine Kongresshalle leisten können?
- Warum gibt es nicht ein Mittagessen für alle Kinder frei, gibt es nicht für alle Familien einen Kitaplatz wenn Sie Ihn benötigen, das Sozialticket erst seit 2009 obwohl Harz IV 2005 eingeführt wurde?
- Warum fehlen viele Erzieher und Erzieherinnen in unseren Kitas und eine Nachmittagsbetreuung für unsere Schüler bei dieser hohen Arbeitslosigkeit?
- Warum bleiben die Sozialwohnungen der Daseinsvorsorge LWB unsaniert, müssen wir noch immer mit den alten Tatrawagen herumfahren und die Gleise der Daseinsvorsorge LVB sind eine Katastrophe?
- Warum sind viele Straßen fast unbefahrbar und werden Soziokulturelle Zentren geschlossen statt gefördert? Und doch können wir uns einen 580 Millionen teuren Citytunnel leisten?
Zur Kommunalwahl in Leipzig am 07.06.2009 wurde das Versagen der „der handelnden Politik“ deutlich, denn nun haben auch wir unseren Braunen Fleck im Stadtparlament. Alle sagen, nur nicht erwähnen, um den Brauen keine Lobby zu geben. Wir sagen es ist Falsch, denn so wird es ja zur Normalität. Entgegnen wir dieser Erscheinung, lasst uns demokratisch etwas dagegen tun, lasst uns wieder auf die Straße gehen. Folgen wir wieder dem Ruf „Wir sind das Volk“ und vielleicht wecken wir Sie damit auf!
All denen es heute gut geht, die das Wort Solidarität vergessen haben und die denken, sie könnten sich über die Schwächeren erheben, denen sei gesagt: Es gibt ein Sprichwort welches immer wieder zutrifft; Was man nicht will das es einem selber geschieht, das tue auch keinen anderem an… und es stimmt.
Kommen wir zurück in unserer Demokratie, zu einem breiten Konsens, lassen wir die Elitegedanken außen vor und lasst uns alle miteinander reden. Dies gilt für die große und auch für die kleine Politik!
Friedlich und solidarisch miteinander der Zukunft entgegen, gerecht und an alle gedacht, Elitäre Machenschaften unterbinden und eine breite Basis schaffen, dass ist das Ziel unserer Generation.
Es grüßen Sie… Ihre Mitmachpolitiker Roberto Zenker und Markus Kowollik