Das Feindbild, das Vorbild und das Selbstbild der Leipziger Nazis!
Immer wieder bestehen NPD-Kader darauf, die wahren Demokraten zu sein: Statt der bundesrepublikanischen „Bevölkerungsdemokratie“ streben sie allerdings eine „deutsche Volksdemokratie“ an.
Dabei dient die Bundesrepublik als Feindbild: der bürgerlich-parlamentarische Rechtsstaat ist für sie eine von den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges auf erzwungene Ordnung mit dem Zweck, das „deutsche Volk“ zu vernichten.
Den Neonazis erscheinen nicht nur die etablierten Politiker, sondern jeder nicht-nationalistische politische Mensch wahlweise als Marionette oder als Kollaborateur mit den „fremden Mächten“.
Dem Gegenüber stellen die Nazis ihre Vorstellung von ihrem Deutschland und fordern unter dem Motto „Recht auf Zukunft“ dieses Recht für ihre Vorstellungen ein. Selten finden sich konkretere Vorschläge zum „zeitgemäßen und volksgemeinschaftlichen System“; die „Freien Kräfte“ definieren ihre Idee eines „nationalen Sozialismus“ über das historische Vorbild des Nationalsozialismus. Es verbirgt sich also wenig Neues hinter dem „zeitgemäßen“, nämlich die Hoffnung auf einen Führer, auf eine homogene, am Ende alle vermeintlichen Feinde ausschließende Volksgemeinschaft. Es bedeutet nichts weiter als Gewalt, nämlich das ständige „Ausschalten“ neuer „Volksschädlinge“!
Der „ungetrübte Blick in die Vergangenheit“ soll dabei helfen, das historische Vorbild als „zeitgemäßes“ System wieder denkbar zu machen und dieses dem Feindbild Bundesrepublik entgegenzusetzen.
Dafür unterscheiden Neonazis in bekannter Manier immer wieder zwischen „guten“ und „schlechten“ Seiten des NS-Systems. Hierbei wird versucht, die „schlechten“ Seiten „der Vergangenheit“ als kleine „Betriebsunfälle“ zu verharmlosen, oder in verschwörungstheoretischer Manier wird behauptet die westlichen Demokratien hätten sie hervorgerufen bzw. im Nachhinein erfunden.
Der Staat, respektive das Volk, müsse frei sein, nicht seine Bürger. Begriffe wie Freiheit und Demokratie beziehen sich also im NS-Diskurs immer auf das Kollektiv. Die Umdeutung und Übernahme dieser Begriffe ist eine diskursive Strategie, um sich öffentlich als freiheitlich und demokratisch zu gerieren. Dahinter steht jedoch ein Mechanismus zur Disziplinierung des Individuums: die Volksgemeinschaft, die einen angeblichen kollektiven Volkswillen impliziert. Das Individuum habe sich bei den Nazis gefälligst in den Dienst des Volkes zu stellen, wer das Volk ist, was für das Volk das beste sei und was es will, legen selbstverständlich die Nazis oder ihre „Führer“ fest. Individualität und Eigenständigkeit haben in der Naziideologie keinen Platz.„Freie Kräfte“, „Autonome Nationalisten“, „Nationale Sozialisten“, wie auch immer sie sich nennen: Nazistische Gruppierungen möchten modern sein. Doch ihre Texte zeigen: Sie sind es höchstens äußerlich. Ihre Ideologie entspringt dem historischen Vorbild des Nationalsozialismus.
Ihr Denken ist rassistisch, chauvinistisch, autoritär und antiemanzipatorisch. Ihre Vorstellungen von Volk und Volkskörper bedeuten Gewalt – gegen „äußere“ wie „innere“ Feinde. Und dies bekommen vermeintlich Nicht-Deutsche, aktive Nazigegner und andere tagtäglich zu spüren.
Auch in schwiegrigen Zeiten und der nicht immer leichten Wahlentscheidung im demokratischen Rechtsstaat, bleibt aber die Demokratie, die Garantie für Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben! Deshalb bitte ich Sie, auch Ihr Wahlrecht in Anspruch zu nehmen und solch einer Ideologie keinen Platz mehr in Deutschland zu lassen. 
es grüßt Sie…
Ihr Markus Kowollik
